Mexico - Baja California Sur

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Unsere Strecke durch den südlichen Teil der Baja California. 

Laguna Ojo de Liebre - Santa Rosalia - San Lucas

Unser erstes Ziel auf der Baja California Sud ist Guerrero Negro, eine erst 1957 von einem Amerikaner als Arbeiterstadt für die Salzgewinnung geründete Stadt. Inzwischen ist die Saline von Guerrero Negro die größte der Welt - hier werden pro Jahr 7 Mio. Tonnen Salz gewonnen. Die Stadt liegt direkt an der Laguna Ojo de Liebre, eine zum Teil von schneeweißen Sanddünen umgebene Bucht. Viele Besucher kommen ausschließlich wegen der hier in jedem Frühjahr zu Hunderten kalbenden Grauwale. Wir fahren einige Kilometer durch die Salinen bis wir direkt am Wasser auf ein grosszügiges Camping-Gelände kommen. Wir beschließen mit dem Boot am nächsten Morgen auf Wal-Beobachtungstour zu gehen. Man kann zwischen Januar und März bei verschiedenen Veranstaltern eine Boots-Tour zu den Walen buchen und bekommt auch wirklich viele zu sehen. Am späten Abend kommen nach und nach jede Menge Teilnehmer der Rallye Baja 4000 auf dem Platz an und belegen alle bisher freien Stellplätze. In der Nacht sind wir ein wenig genervt von einer Gruppe, die die ganze Nacht auf der Gitarre und mit mässigem Gesang ein einziges Lied spielt: „Hotel California“! Nach dem 20. Mal ist es echt nicht mehr lustig. Irgendwann sind wir dann trotzdem vor Erschöpfung eingeschlafen. Dies war hart, denn meistens stehen wir irgendwo ganz einsam und hören nichts ausser der Natur.

Am Morgen sind wir mit fünf anderen Teilnehmern auf dem kleinen Boot und schon geht es los. In dieser grossen Bucht können wir wirklich jede Menge der beeindruckenden Grauwale sehen. Schon von weitem kann man an dem Blas erkennen, wo sich wieder einer befindet und teilweise ziehen Mutter und Junges dicht an dicht durch das Wasser. Wir kreuzen ca. 1,5 Stunden mit dem Boot durch die große Bucht, immer dicht an den Walen. Es ist ein sehr schönes Erlebnis, auch wenn man mit der Kamera immer zu spät ist, sobald die Tiere auftauchen. 

Am nächsten Tag geht es bei grauem Himmel und Regen weiter nach Süden nach Santa Rosalia. Hier können wir endlich wieder eine Telefonkarte kaufen, denn seit Tagen sind wir ohne Internet. Aber auch mit Karte hat man oft einfach kein Netz. Eigentlich super zum Entspannen! Auf der extrem menschenleeren und unbebauten Baja California findet man endlose Traumstrände an dem keine Menschenseele unterwegs ist.

Am Abend erreichen wir in San Lucas einen Campingplatz direkt am Wasser mit einem sehr empfohlenen Restaurant. Eigentlich benötigen wir ja so gut wie nie einen Campingplatz, aber an diesem Abend ist es bereits zu dunkel, um noch einen freien Stellplatz zu suchen.

Wir stehen direkt am Wasser und können Hunderte von Seevögeln beobachten. Unsere Lieblinge sind die Braun-Pelikane mit den eidottergelben Köpfen und den roten Schnäbeln. Die gleiten majestätisch zentimeterknapp über der Wasseroberfläche. Wir treffen hier zahlreiche Kanadier oder Amerikaner, die dem kalten Winter in ihrer Heimat entfliehen, die sogenannten „Snowbirds“. Sie geben uns ihre Empfehlungen über besonders schöne Plätze und Orte auf der vor uns liegenden Strecke.

Später fahren wir mit unserer Honda die 15 Kilometer zurück nach Santa Rosalia, vorbei an wunderschönen Kakteenlandschaften, um uns den Ort in Ruhe anzuschauen. Die Stadt besteht im alten Kern aus kunterbunten Holzhäusern im Kolonialstil, unzähligen Taco-Bars, freundlichen Menschen, die uns alle auf der Straße grüßen, wenn wir vorbeigehen. Es gibt aber auch zahlreiche alte und rostige Fabrikgebäude, die noch aus der Zeit der Kupferminen stammen, die hier früher in Betrieb waren. Im Hafen finden wir noch einen grossen verfallenen, hölzernen Ladekran.

Schliesslich hält das kleine Restaurant des Campingplatzes wirklich, was die Leute uns versprochen haben.

Auf der Baja sieht man immer wieder verfallene Häuser, Geschäfte und liegengelassene Autos am Straßenrand. Nach mittlerweile 4 Wochen in Mexico haben wir uns daran gewöhnt. Hervorheben muss man aber die fantastische Natur mit Gebirgen, Kakteenwüsten, traumhaften Stränden und vor allen Dingen die absolute Menschenleere hier. Die ca. 3 Mio. Bewohner leben fast ausschließlich im Norden der Halbinsel in Mexicali und Tijuana. Der Rest der Baja California ist extrem dünn besiedelt. Die Menschen, die man trifft, sind freundlich und höflich. Jeder winkt, wenn man vorbeifährt. 

Mulejé - Bahia Conception - Loreto

Wir sind weiterhin an der Ostküste der Baja entlang des Golf von California (El Mar de Cortes) unterwegs. Der nächste Ort ist die Palmenoase Mulegé inmitten der Wüsten und Kakteenlandschaften. Dort schlendern wir durch den netten Ort, wo wir, wie überall auf der Baja, von den Einheimischen freundlich gegrüßt werden. Ausser ein paar amerikanischen Touristen auf der Suche nach einem Mittagsrestaurant ist hier am Sonntag nicht viel los und deshalb fahren wir bald weiter zur Bahia Concepcion.

In allen Reiseführern und auch von allen bisher getroffenen Baja-California- Kennern wird diese Bucht als das ultimative Baja-Erlebnis angepriesen. Und tatsächlich sieht man bereits von der hochgelegenen Küstenstraße aus eine Traumbucht nach der anderen. Der Sandstrand ist schneeweiß, das Meer blaugrün und man hat die Qual der Wahl. Für welche Bucht entscheiden wir uns denn nun für heute? Die erste Bucht mit einem Kiesstrand haben wir für uns alleine. Es gibt zwar ein paar Ferienhäuschen und einige Palapas (das sind mit Palmblättern gedeckte Strandhäusschen) aber Menschen sind keine zu sehen. Wir sitzen für Stunden am Strand und genießen die paradiesische Natur und vor allen Dingen die hier auf der Baja vorherrschende Menschenleere.

Der zweite Strand, den wir aufsuchen, ist uns bereits aus Abbildungen von Reiseführern über die Baja bekannt. Ein muschelförmiger Sandstrand mit einer schmalen Landzunge mit Blick auf einige kleinere Inseln wird für die nächsten Tage unser Domizil. Schöner kann es nirgendwo sein. Das Wasser ist glasklar und wir schwimmen, kayaken und lassen uns von Einheimischen die frischen Shrimps direkt ans Auto bringen. Von diesem Ort kann man sich nur sehr schwer trennen, aber es gibt ja noch so wahnsinnig viel zu sehen. Wieder fahren wir durch völlig menschenleere Kakteenwüste in Richtung Loreto. Hier scheinen recht viele amerikanische Expats (Auswanderer) zu leben. Der Ort ist ganz nett, wir essen einmal wieder leckere Haifisch-Tacos und bummeln durch die Stadt. Eine Hinterhof-Werkstadt baut VW-Käfer zu Pick-Ups und Buggys um. Für diese Nacht stellen wir uns neben einer Reihe von Villen direkt an den Strand. Als wir zu Bett gehen wollen, kommt zum ersten Mal die Policia Municipal zu unserem Standplatz. Auf unsere Nachfrage, was es denn gibt, sagt man uns, dies sei Privatgelände und wir müssten hier wegfahren. Wir wollen aber die Nacht stehen und da hören wir den Vorschlag: Wenn wir 300 Pesos (ca. 15,00 EUR) zahlen würden, wäre es für eine Nacht ok. Da sind sie also, die korrupten Polizisten in Loreto, von denen wir bereits im Reiseführer gelesen hatten. Wir haben keine Lust mehr, im Dunkeln wegzufahren und zahlen den Betrag. Daraufhin haben wir, wie bisher jede Nacht, eine himmlische Nachtruhe. 

La Paz - Tecalote - La Ventana 

Heute geht es weiter nach La Paz, immer entlang der Küstenstraße, von wo aus man spektakuläre Aussichten auf das Meer und Insellandschaften genießen kann. Häufig kann man am Straßenrand, inmitten der Wüste, bunte, blumengeschmückte Häuschen zur Huldigung der Jungfrau Maria sehen. In Mexico sind die Menschen zwar sehr katholisch, dennoch sind die für Mexico so typischen Skelette und Totenköpfe als Schmuck von Restaurants und Ladengeschäften überall präsent. Kurz vor La Paz finden wir eine große Sanddünenlandschaft, wo ausser uns keine Menschenseele ist. Wir klettern etwas in den Dünen aus dunklem Sand herum und bestaunen die Millionen Muscheln, die hier herumliegen.

La Paz empfängt uns mit einem sehr gepflegten und schön angelegten Malecon (Hafenpromenade). Hier kann man kilometerlang am sehr gepflegten Stadtstrand entlangschlendern, oder auf der anderen Straßenseite durch unzählige sehr schön hergerichtete Läden, Cafés und Restaurants ziehen. Die Stadt ist quirlig und echt. Es ist keine Touristenstadt, sondern eine echte mexikanische Stadt am Meer. Wir suchen nach einer Fach-Werkstatt für unseren MAN, denn bei vollbeladenem Fahrzeug und rappeliger Pistenfahrt federt die Hinterachse zu weit ein. Wir fragen uns durch verschiedene Stationen wie Tankstellen und LKW-Werkstätten, bis wir schliesslich einen echten Fachbetrieb für Fahrzeugfedern finden. Auch hier finden wir wie bisher immer in Mexico extrem freundliche und zuvorkommende Leute, die uns eine Lösung des Problems und einen Termin für den übernächsten Tag um 8.00 Uhr morgens geben. Wir streifen erneut durch die schöne Stadt und später geht es an den  bekannten Strand von Tecalote, an dem bereits ziemlich viele andere Wohnmobile frei stehen. Hier sehen wir zum ersten Mal auf unserer Tour auch mehrere andere Deutsche mit Ihren Fahrzeugen. Der Wind bläst hier zur Freude der Kite-Surfer enorm. Nachdem wir uns mit Windschutz eingerichtet haben, kommt ein amerikanisches Pärchen vorbei, die uns wegen unseres MAN interviewen wollen.  Wir haben diese Art Interviews bereits gefühlte 1.000 Mal während der letzten 4 Monaten gegeben, aber die beiden - Barbara und Tom mit Hund Beanes, sind uns sofort sympatisch. Nach einer Weile bitten wir die beiden herein, wo wir bei Kaffee für mehr als 2 Stunden zusammen sitzen und uns wirklich richtig gut unterhalten. Die beiden sind völlig von unserem MAN berauscht und wollen genau so einen haben. Barbara fragt, ob Michael nicht einen als Auftragsarbeit für sie bauen könnte. Er antwortet, dass dies frühestens in ein paar Jahren denkbar wäre und verweist auf die Allrad-Messe in Bad Kissingen. Die beiden denken ernsthaft darüber nach, ob sie diesen Sommer dafür nach Deutschland fliegen sollten.

Am nächsten Tag müssen wir wegen des Werkstatt-Termins zurück nach La Paz und essen dort den besten Hamburger, den wir jemals bekommen haben. An einem Grill mit Holzkohlefeuer wird das Fleisch langsam und punktgenau (rare, medium rare, medium oder well done) zubereitet, mit mehreren Soßen, geschmorten Zwiebeln, Tomaten, Avocado, Salat usw. zu einem derart großen und mächtigen 1 Pfund-Burger veredelt, sodass wir ebenfalls zum ersten Mal einen Burger mit Messer und Gabel essen müssen, da dieser mit den Händen unmöglich zu bewältigen wäre. Danach übernachten in der Nähe der LKW-Werkstatt und sind den Tag darauf pünktlich um 8.00 Uhr vor der Werkstatt. Michael bleibt bei der Reparatur mit dabei, während ich für 2 Stunden einen weiteren Stadtbummel im Getümmel von La Paz einlege. Als ich nach exakt 2 Stunden zurückkomme, sind die beiden auch gerade mit der Reparatur fertig geworden. Es wurde jeweils eine 25 mm starke Zwischenlage in das Federpaket eingebaut um damit die entsprechende Anhebung des Aufbaus zu erreichen. Die ganze Reparatur hat uns 60 EUR gekostet. (30 EUR für die Teile und 30 EUR für die Arbeit). Wir haben von einigen Leuten, die häufig in Mexico unterwegs sind erfahren, dass die Mexikaner wirklich sehr gute KFZ-Monteure und die Preise hier vergleichsweise lächerlich niedrig sind.

Auf Tom`s Empfehlung hin fahren wir an diesem Tag an einen von vielen Surfern besuchten Strand in La Ventana. Hier tummeln sich wirklich hunderte Wassersportler und Kite-Surfer. Es windet wirklich sehr stark, was aber bei diesen sommerlichen Temperaturen nicht so schlimm ist. Wir nisten uns an einem schneeweißen Sandstrand ein und sind hier wieder die Einzigen. Wir waschen die Wäsche und lassen diese an einer Leine zwischen Palme und MAN innerhalb von kürzester Zeit vom warmen Wind trocknen. So macht Wäsche einfach Spaß! Wir unternehmen einen langen Strandspaziergang, um die vielen Seevögel wie Pelikane, Möwen und einige uns unbekannte Arten zu beobachten. Der morgendliche Blick aus unserem Dachfenster spricht Bände! Blauer Himmel, Palmen und Sonne....

Als wir von hier weiter entlang der Küste fahren, treffen wir wieder auf Barbara, Tom und Beanes. Wir fahren zusammen an einen ruhigen Platz ein Stück vom Strand weg in die Wüste und sitzen dort für viele Stunden zusammen am Lagerfeuer und reden über alles Mögliche: Trump, Beziehungen, Kinder... Die beiden gefallen uns wirklich gut. Tom empfiehlt uns eine schwierige, aber seiner Meinung nach zu bewältigende Berg-Piste, die wir am späten Nachmittag versuchen wollen. Wir finden auch den Einstieg und folgen der Piste für einige Kilometer, bis diese aber enger und enger, steiler und steiler vor allen Dingen aber auch noch zur Hangseite abschüssig wird. Irgendwann steigen wir aus und erkunden die nächste Kurve zu Fuss, als uns 2 Mountain-Biker aus Holland vom Berg entgegenkommen. Diese sagen, die Piste wird immer schlimmer und ist eigentlich überhaupt nicht zu bewältigen für ein Fahrzeug wie unseres. Also müssen wir die enge Piste rückwärts fahren, bis wir irgendwann ausreichend Platz finden um mühsam in kleinsten Schritten zu wenden! Puh, das war wirklich nix! Am nächsten Morgen erreicht uns eine Email von Tom. Er schreibt, er habe die halbe Nacht wachgelegen, weil ihm plötzlich gedämmert sei, dass diese Piste vielleicht doch nichts für unser Fahrzeug ist! Wir antworteten, es sei zu spät, wir hätten den MAN auf dieser Strecke leider verloren. Just a joke!!  

Los Barilles - Aqua Caliente - San Juan del Cabo -Cabo San Lucas

Nach der verhinderten Bergpistenfahrt bleiben wir am Rand einer kakteenbewachsenen Sandpiste für die Nacht stehen. Auch hier erleben wir wieder, was wirkliche Stille ist. Das einzige Geräusch ist das nächtliche Geheul der Kojoten. Unsere Fahrt nach Los Barilles führt uns an einigen Palmenplantagen vorbei, wobei uns die Vielfalt der verschiedenen Palmenarten auffällt. Wir fahren durch ärmlich anmutende typisch mexikanische Ansiedlungen, immer mit Blick auf viele hier freilaufende Rinder, Pferde und vor allen Dingen unzählige Hunde. Ein Pferd kommt uns mitten auf einer menschenleeren Dorfstraße entgegen. In Los Barilles leben viele amerikanische Auswanderer oder Winterflüchtlinge, die hier für einige Monate dem kalten Wetter in der Heimat entfliehen wollen. Es gibt gepflegte Häuser mit schön angelegten Kakteengärten - natürlich fast nur bei den Amerikanern.

 

Von hier wollen wir zu einer sehr versteckt liegenden Besonderheit in dieser extrem trockenen Wüstenlandschaft fahren. Es soll eine warme Quelle geben, die über einen kleinen Wasserfall in mehrere Becken läuft und in denen man schwimmen kann. Den Tipp haben wir von Tom und Barbara bekommen, den beiden Amerikanern, die hier neben ihrem Wohnsitz im Staat Washington noch ein zweites Haus besitzen und ausserdem noch mit Ihrem amerikanischen Allradfahrzeug, einem alten Earthroamer, ständig über die Baja California fahren. Wir passieren winzige Ortschaften, die aus ein paar ärmlichen Häusern bestehen bis wir endlich nach endlosen Staubpisten in einem Ort ankommen, wo gerade vor einer kleinen Kirche das ganze Dorf versammelt ist. Alle sind schwarz gekleidet was uns auf eine Beerdigung tippen lässt. Es gibt für uns kein Durchkommen, denn auf der staubigen Straße stehen alle Fahrzeuge mitten im Weg und zusätzlich blockiert auch noch ein Fahrzeug der Policia Municipal die Durchfahrt. Wir halten an und ich (Petra) steige aus und frage einen der Polizisten, wo es denn zur Agua Caliente geht. Er deutet sehr vage in Richtung einer kleinen Staubpiste, die wieder aus dem Ort herausführt. Wir fahren skeptisch Kilometer um Kilometer eine schmale, durch überhängende Äste noch zusätzlich verengte Piste. Hier gibt es nichts, was auf eine Sehenswürdigkeit schließen lässt. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit finden wir aber doch noch diesen Platz. Es gibt 2 weitere Camper sowie einen umgebauten Schulbus voller junger Hippie-Spanier und Italiener. Wir sind aber an der Quelle die Einzigen die schwimmen. So können wir unserer Vorliebe für textilfreies Baden nachkommen und genießen das sehr warme Wasser. In einem Becken gibt es diese kleinen Fische, die sofort zu hunderten kommen und an dir herumknabbern. Ich lasse mir für eine halbe Stunde an den Füssen herumknabbern, Michael erträgt das kitzelnde Gefühl nicht und geht lieber im tiefen Becken schwimmen.

 

Unsere Selbstverpflegung hier in Mexico ist wie überall sehr gut. Das hier gekaufte dunkle Toastbrot, welches wir am Morgen mit den nötigen Zutaten zu einem Frühstücks-Burger verwenden, sieht aus wie Scheiben von Schokoladenkuchen, zwischen die wir Salat und Frikadellen geklemmt haben. LECKER!! Vorbei an einem Ort Namens Santiago, ein im leicht verfallenen spanischen Stil erbauter, kleiner Ort mit hübscher Kirche. Über anstrengende, sandige und wellblechartige Rumpelpisten suchen wir den nächsten, optimalerweise perfekten Strand für die nächsten Tage. Der Zugang zum Strand unserer Wahl ist eng, löchrig, steinig und nur im Schneckentempo zu befahren, dabei übersieht Michael eine verknäulte Rolle Stacheldraht zwischen den trockenen Büschen. Schon haben wir einen komplett umwickelten rechten Vorderreifen. Das Entfernen des Drahtes hält uns aber nicht allzu lange auf und der Strand entschädigt für alles! Die Bilder sprechen ja wohl für sich. Ein perfekter, endloser, kilometerlanger, weißer Sandstrand, türkisfarbenes klares Wasser und niemand hier ausser uns. Das ist hier fast jeden Tag zu haben, völlig unvorstellbar in Europa. Am Abend kommt noch eine einzelne Frau in die Bucht, baut sich ihr Zelt auf und verhält sich sehr zurückhaltend. Am nächsten Tag tauchen noch Männer im Pick-Up auf, zwei Amerikaner und ein Mexikaner. Die drei wollen Spear-Fishing in dieser Bucht unternehmen. Dabei tauchen die Männer bis zu 3 Minuten ohne irgendein Sauerstoffgerät. Sie versprechen uns zum Abendessen frischen Fisch, wenn sie erfolgreich sein sollten. Und so kommt es, wir bekommen einen großen und einen riesigen Fisch fangfrisch aus dem Meer geschenkt. Und dann filetieren die Männer uns auch noch die Fische. Wir sollen uns diesen zum Abend zusammen mit unserer Zeltnachbarin zubereiten. Die stellt sich als eine gebürtige Deutsche heraus, die in ganz frühen Jahren von Deutschland in die USA ausgewandert ist, weil ihr Deutschland zu eng, zu spießig und zu intolerant war. Wir verbringen einen sehr schönen Abend bei fantastischem Essen mit Filet, Salat, Kartoffeln, Wein und Kerzenlicht vor unserem MAN. Hiermit noch einmal ganz herzlichen Dank an die netten Fisher-Men, Scott, Johnny und Inio! Aber vor allem an den fantastischen Pazifischen Ozean! Nach einem gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen müssen wir Heike versprechen, sie in Washington zu besuchen. Sie wohnt in einem Urlaubsgebiet und will uns unbedingt dort die prachtvolle Natur unter der Anleitung eines Insiders zeigen. Wow! Wir haben bereits eine feste Einladung nach Kalifornien, eine weitere in den Staat Washington, eine nach San Francisco und jetzt wieder eine in den Staat Washington. Da werden wir unsere Zeit bis zur Abholung von Philipp und David am 13.05.2017 in Vancouver genau planen müssen. Wir freuen uns darüber sehr, denn wir können so viel mehr aussergewöhnliche Natur ausserhalb der sowieso bekannten Hot Spots kennenlernen. 

Bisher haben wir auf der Baja California seit über 4 Wochen fast immer fast menschenleere Natur erlebt, jetzt soll es aber in die touristischen Hochburgen San Juan del Cabo und Cabo San Lucas gehen. Irgendwo müssen sich doch die vielen Amerikaner-Gringos herumtreiben, von denen wir immer gehört haben. Der erste Ort San Juan del Cabo ist teilweise sehr elegant und traumhaft angelegt, Jachthafen, Hotels, Restaurants, Geschäfte....alles sehr schick. Aber irgendwie nicht Baja und nicht Mexiko. Es fühlt sich an, wie jeder beliebige Badeort in Italien oder an den touristischen Hochburgen in Spanien. Am Abend unternehmen wir einen Rundgang durch das Stadtzentrum mit grosser Plaza, unzähligen Souvenirläden, Galerien, Restaurants und Taco-Ständen. Die Stadt ist voller amerikanischer Flug-Touristen und weil wir, wie so häufig geduldig nach einem schönen Restaurant suchen, kommen wir etwas ausserhalb zu wirklich extrem guten Fischgerichten.

Der nächste Ort Cabo San Lucas nervt uns bereits schon beim Durchfahren. Er besteht nur aus Luxus-Hotels und Remmi-Demmi. Nix wie weg, wieder zurück in die Stille und Einsamkeit der Wüstenlandschaft und einsamen Strände. Die ganze Baja California ist fast überall völlig unbewohnt und es gibt eigentlich nur eine einzige asphaltierte Straße, die von oben bis unten durchgeht. Alles andere sind sehr einfache Sand- und Rumpelpisten. Man kann tagelang durch Wüsten fahren und muß keine anderen Menschen treffen. Es ist der ideale Platz für Menschen mit einem Faible für Natur und natürlich für Allrad-Fahrzeuge.  Die pazifische Seite hat wildes Meer mit hohen Wellen, die andere Seite entlang des Golf von California bietet ruhiges, friedliches Meer. Uns gefällt im Moment die Seite mit dem richtigen, offenen wilden Pacific, in dem wir häufig Wale blasen sehen und Delphine oft ganz nahe am Ufer vorbeischwimmen. Hier kann man fast überall einen Strand ganz für sich alleine finden und wir können kleine, nötige Reparaturen, wie z.B. eine schlechte Verklebung an einer Seitenklappe beheben und immer wieder nackt im Meer baden. 

Todos Santos

Ein wirklich netter Ort ist Todos Santos, wo angeblich das berühmte Hotel California aus dem 70er Jahre Hit der Eagles steht. Ist es zwar nicht, aber egal – es ist ein Anziehungspunkt. Ausserdem gibt es hier es sehr schöne Altstadthäuser, die Straßen sind geschmückt, es gibt einen zentralen Platz mit Kirche, Markt und Musik. Zahlreiche Restaurants aller Klassen, tolle Cafés und zusätzlich haben wir auch noch das Glück, das genau an diesem Abend hier ein Kunst- und Folklore-Festival stattfindet. Viele Künstler stellen ihre Waren in den Straßen zum Verkauf aus und auf einem großen Platz treten Folklore-Tanzgruppen in bunten Trachten auf. Wir treffen ausserdem Heike wieder, die hier am Ort eine Freundin hat. Wir verabreden uns für den nächsten Tag in einem wunderschönen Oasen-Café in welchem natürlich hauptsächlich Gringos einkehren (So wie wir!) Es gibt hier im Ort Joga-Kurse, Tai-Chi und alles was gesund, bewusstseinserweiternd oder vegan ist. Die Atmosphäre erinnert mich ein kleines bisschen an Ibiza. (Hier allerdings auf einfacherem Niveau). Nach dem gemeinsamen Frühstück fährt uns Heike in ihrem klapprigen Jeep in eine versteckte, aber traumhafte Badebucht an einer Palmenoase. Dort weiht sie uns in die Kunst des Boogie-Boarding ein. (Das Gleiten auf dem Schaum der Welle mit dem Bauch auf dem Board liegend)

Wir verstehen uns einfach richtig gut und haben sehr gute Gespräche. Am Abend zeigt Heike uns noch eine Turtle-Station (Meeresschildkröten-Aufzuchtstation). Die Tierschützer beobachten die Schildkröten beim Ablegen der Eier an den für sie gefährlichen Stränden, graben diese wieder aus und bringen sie in ein geschütztes Terrain, wo die Eier wieder in den Sand eingebuddelt werden bis sie reif sind. Jeden Tag werden die ausgeschlüpften Babys dann unter großem Jubel der anwesenden Zuschauer oben am Strand ausgesetzt, wo alle zuschauen, bis die kleinen Schildkröten ihren Weg ins Meer gefunden haben. Irgendwie finden wir das Ganze etwas fragwürdig, denn ob auf diese Art mehr von denen Überleben oder ob die vor ihrer Zeit ausgebuddelt worden sind um dann gleich im Meer gefressen zu werden? Wir nehmen nach gemeinsamem Abendessen am Strand vor unserem MAN Abschied von Heike mit dem Versprechen, uns bald im Staat Washington wieder zu sehen. 

Von Todos Santos zur Bahia Magdalena

Von Todos Santos aus geht es weiter entlang der Küste nach Norden. Wir stärken uns vorher an einem Straßenstand mit leckeren Tamales bevor wir wieder in die Kakteenwüste aufbrechen. Wir fahren auf staubigen Pisten, vorbei an hohen Sanddünen und durch völlig einsame Landschaft mit wechselndem Kakteenbewuchs, dabei begegnen wir immer wieder Herden von freilaufenden Rindern und manchmal auch Pferden.

Die Piste verengt sich immer weiter, bis wir an beiden Seiten des MAN an den Armen der Kakteengewächse entlangschrubben. Der Lack hat in diesen letzten 5 Wochen ganz schön gelitten, aber Pistenfahrt ist eben kein gemütliches Reisen auf Asphaltstraßen. Am Nachmittag kommen wir an eine Stelle, an der ein Arm eines Cardon-Kaktus so weit in die enge Fahrspur ragt, dass wir uns bei der Weiterfahrt die Markise abreißen würden. Zurückfahren ist mangels alternativer Routen auch keine Option. Daher müssen wir mit einem Bergegurt, der um den stacheligen Auswuchs des Kaktus geschlungen wird, diesen durch Zurücksetzen abbrechen und mit den dicksten Handschuhen aus dem Weg räumen.

Am nächsten Tag wird uns durch das laute Fiepsen der Reifendruckkontrolle ein Schaden am rechten Hinterrad angezeigt. Ein großes Loch ist von scharfkantigen Steinen auf dem Weg in die Flanke des Reifens geschnitten worden. Also jetzt auch noch Reifenwechsel bei fast 30° Grad und bei 140 kg Gewicht des Ersatzreifens ein fordernder Einsatz. Aber auch das geht vorbei und anschließend finden wir erneut einen paradiesischen, völlig verlassenden Traumstrand. Wir baden und finden an den Felsen hunderte von prächtig in rot und blau leuchtenden Krabben. Diese sonnen sich auf den Steinen, huschen aber unter die Felsen sobald man näherkommt. Anschließend noch ein gutes Stück auf holpriger Piste zur geteerten Hauptstrecke, der Mex 1 und dann weiter zur Bahia Magdalena.

Bahia Magdalena

Abends stellen wir uns an einen einsamen Strand, der hinter dem Sandstreifen mit Mangroven bewachsen ist. Morgens entdecken wir, dass bei Flut das Wasser im Hinterland bis zum MAN steht. Es ist Marschland, welches sich im Wechsel der Gezeiten mit Wasser füllt. Es ist ein toller Platz zum Beobachten der Wasservögel bei der Nahrungsaufnahme im seichten Wasser. Auf dem Weg zum nächsten Strand an der Bahia Magdalena sehen wir einige Fischadler in ihren Horsten, welche auf eigens dafür aufgestellten Nist-Masten sind. Wir streifen über einen typischen mexikanischen Friedhof und biegen auf eine sehr schmale Sandpiste in Richtung der Lagune ein. Diese sehr schmale Zufahrt führt uns nach 25 km zu einem wunderschönen Strand. Der erste Versuch endet im tiefen Weichsand, aber mit auf 2 Bar reduziertem Reifendruck und ein wenig Sandschaufeln kommen wir wieder frei, um ein paar Meter weiter einen wirklich tollen Standplatz für die nächsten 3 Tage zu finden. Stühle raus, aufs Meer schauen, schwimmen, Delphine, Pelikane, und einen Wal beobachten. Bei den Wanderungen sehen wir unglaublich viele schöne rote kleine Schneckenmuscheln, die den kompletten Strand bedecken. Es ist so schön warm und sonnig hier auf der Baja Anfang Februar, da muss man wirklich aufpassen, dass man nicht zu sehr verbrennt, wenn man den ganzen Tag draußen ist. Morgens tuckert ein winziges Fischerboot mit 2 Fischern vorbei, die gucken wollen, wer hier am Strand steht. Am Abend kommen die beiden vorbei und bieten uns an, zu ihrer Fischerhütte zu kommen um Fisch zu kaufen. Michael wandert durch die Mangrovenwälder und findet die Hütte, wo die beiden völlig von der Welt abgeschieden in einer primitiven Fischerhütte leben. Er kauft 1 kg frisches Fischfilet, sauber geputzt für umgerechnet 3,00 Euro. Dazu schenkt ihm der freundliche Mann noch eine Tüte mit 10 Zitronen und Limetten, damit wir uns Ceviche zubereiten können. Abends braten wir uns mit unserem Aussen-Induktions-Kochfeld den leckeren Fisch und geniessen noch lange den Blick auf den hier sehr ruhigen Ozean.

San Ignazio - Laguna Ojo de Liebre

Nach drei Tagen in dieser wunderschönen Bucht mit Blick auf die Wale und Delphine, mit frischem Fisch in der Pfanne und auch noch so netter Hundegesellschaft, fällt der Abschied schon beinahe schwer. Besonders der braune Hund, der am liebsten rund um die Uhr mit uns schmusen möchte, hat es uns angetan. So ausgehungert, wie der sogar über eine trockene Scheibe Toastbrot herfällt könnten wir ihn vielleicht sogar mitnehmen, aber wir wissen, dass er einem der Fischer gehört. Als wir abfahren, rennen die drei Hunde noch einige Kilometer hinter unserem Auto her. Schluchz !!!!! Irgendwann aber geht denen die Puste aus, und sie kehren um.

Auf unserem Weg nach Norden wollen wir diesmal eine Strecke entlang der Westküste nehmen, die auf unserer Baja Karte als Hauptstraße ausgewiesen ist. Zunächst ist die Straße sogar 4-spurig ausgebaut, später wird sie 2-spurig und zunehmend löchrig im Asphalt. Die Bucht von San Juanico ist mit Fischerbooten malerisch dekoriert, aber menschenleer. Der kleine Ort hat zwar ein paar touristische Einrichtungen aber zu dieser Jahreszeit ist absolut nichts los. Hier endet die Teerstraße und die steinige Piste wird schlechter und schlechter, man muss extrem langsam und vorsichtig ständig wieder herunterschaltend die tiefen Löcher und Steine umgehen und kommt so entsprechend langsam voran. Es ist den ganzen Tag völlig einsam, die einzigen Begleiter auf der Piste sind auch hier die wild lebenden Rinder und Pferde. Es gibt so gut wie niemals irgendwelche Hinweisschilder, wenn sich die Piste teilt. Wir sehen ein einziges, mit unzähligen Aufklebern verschönertes Schild auf der 130 km langen Route. Nach wunderschönen Kakteenwüsten und Sandsteinformationen stehen wir plötzlich vor einem primitiven Stacheldrahtzaun quer über der Piste. Dort sind ein paar Barackenbehausungen zu sehen und als wir anhalten kommen alle herausgelaufen. Es sind Männer, Frauen und kleine Kinder. Ein Mann hält uns einen in englisch und spanisch geschriebenen Zettel hin. Auf diesem wird um Geld für Benzin und Wasserkäufe in dieser völlig isolierten Gegend gebeten. Wir geben einen großzügigen Betrag, denn die Lebensverhältnisse der Menschen hier sind wirklich teilweise sehr erschütternd. Der ältere Mann bedankt sich und fragt noch, ob wir auch etwas Süßes hätten. So verschenken wir auch noch unsere Kuchenstücke, die wirh am Vortag für die nächsten Nachmittags-Käffchen gekauft hatten. Dann wird uns das Tor geöffnet und noch ausgiebig die richtige Piste empfohlen. Wir sollen unbedingt die Küstenpiste nehmen, da wir mit unserem Gefährt die Bergpiste nicht befahren könnten. Das ist gar nicht so einfach, wenn man sich die besseren Eselspfade anschaut, die hier Piste genannt werden. Einer der Männer springt noch in seinen klapprigen Jeep und fährt ein Stück bis zur ersten Teilung der Piste voran, damit wir uns nicht verfahren. Danach sind wir wieder auf unseren Instinkt und auch unser Glück angewiesen. Durch einen Nationalpark mit Kakteenwüsten, Dünen- und Lagunenlandschaften, Sandpisten und auch steinigen Wellblechabschnitten erreichen wir die Bucht von San Ignazio. Auf guter Piste und später geteerter Straße kommen wir am späten Nachmittag in der Oase San Ignazio an. Diese Oase inmitten der Wüste ist wirklich sehr hübsch. Hier gibt es tausende von Palmen, eine schöne, in spanischem Stil gebaute Kirche an einer richtigen spanischen Plaza unter riesigen, uralten Bäumen. Rund um die kleine Plaza gibt es ein paar sehr einfache Restaurants und Geschäfte. Wir durchstreifen diesen gemütlichen Ort zu Fuß und setzen uns am Abend an der Plaza in ein Restaurant mit Außentischen am Straßenrand. Dort bleiben wir auch noch lange nach Einbruch der Dunkelheit sitzen und schauen den Jugendlichen zu, die auf der Plaza unter den Augen der Älteren des Dorfes Volleyball spielen. Wir übernachten direkt am Straßenrand  in der Ortsmitte und können am nächsten Morgen in einer Purificadora 250 Liter durch Umkehrosmose gereinigtes Wasser tanken. Dies kostet immer ca. 7,00 EUR. Das übliche Leitungswasser hier ist nicht zu empfehlen. Allerdings scheint es auf der Baja keinerlei Probleme mit „Montezumas Rache“ zu geben, wie wir gelesen haben. Von hier fahren wir ein zweites Mal nach Guerrero Negro, um endlich wieder einmal Internet-Empfang zu haben und um uns noch einmal in der Lagune am Ende der Sanddünen die unendlich vielen Wale anzuschauen, die hier mit ihren Jungen durchs Wasser ziehen und sich immer durch den Blas zu erkennen geben. Das Fantastische hier: Man setzt sich einfach in den Strandstuhl und wartet nur einen Moment, bis man bereits die ersten Wale sehen kann. Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich. 

Baja California Norte (Hinweg)

Baja California Norte (Rückweg)

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letztes Update:

08.10.2017

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