Alaska

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Unsere Reiseroute durch Alaska bis an den nördlichsten Strassenpunkt in Deadhorse an der Prudhoe Bay.

 

5.340 km

 

28 Tage

Wrangell - St. Elias NP (Nabesna Road)

Unser erstes Ziel in Alaska ist der Wrangell – St.Elias Nationalpark. Dieser Park ist mit 53.320 km² der größte Nationalpark Nordamerikas und gehört mit den umliegenden Schutzgebieten zu den größten naturbelassenen Naturschutzgebieten der Erde. Dieses riesige Gebiet kann eigentlich nur zu Fuss, mit dem Flugzeug oder teilweise mit dem Boot erreicht werden. Im gesamten Park gibt es nur zwei Schotterpisten, um mit einem Fahrzeug in das Innere des Parks zu gelangen. Die erste ist die Nabesna-Road, die an der Ranger-Station von Slana beginnt. Dort erhalten wir eine Leih-CD, die uns während der Fahrt die Geschichte des Parks und der hier lebenden Menschen sowie die landschaftlichen Begebenheiten dieser Gegend erklärt.  Wir passieren zunächst den kleinen Ort Slana, einer Ansammlung von wenigen Häusern, deren Bewohner in dieser abgelegenen Gegend ihre Vorstellung von einer natürlichen Lebensweise mit Fischen, Jagen, Fallenstellen sowie weitgehender Selbstversorgung verwirklicht haben.

Neben der Piste sehen wir immer wieder die einfachen Landebahnen für die Privatflugzeuge der wenigen, hier lebenden Bewohner dieser Naturlandschaft. Einmal können wir zwischen den Bäumen am Rande der Piste für einen kurzen Moment einen riesengroßen Elchbullen mit enormem Geweih sehen bevor dieser wieder im Gebüsch verschwindet. Später beobachten wir noch eine Elchkuh mit Ihrem Jungen auf einer weiten Grassfläche. Wir fahren durch eine vulkanische Berglandschaft, die mit Ihrer Farbvielfalt beeindruckt und sehen die majestätischen, schneebedeckten, bis zu 5.000 m hohen Berge im Hintergrund. Die Piste endet an einer Häusergruppe (natürlich mit Flugzeug und Landebahn), bevor der weitere Weg zu den Resten der allerdings abgesperrten Mine nur noch zu Fuss machbar ist. 

Wrangell - St. Elias NP (Mc Carthy)

Die zweite Pistenstrecke im Wrangell-St.Elias NP führt uns auf einer Länge von knapp 100 km ebenfalls durch völlig unberührte Natur entlang des Chitina River, wo wir einen der traumhaftesten Schlafplätze unserer bisherigen Reise mit Blick über den breiten und milchig schimmernden Fluss finden. Völlige Einsamkeit umgibt uns auch hier und in der Nacht ist nicht das allerkleinste Geräusch zu hören. Der weitere Weg führt zur einer schmalen, holzbeplankten Brücke über eine spektakuläre Schlucht, vorbei an einer alten, stillgelegten Eisenbahnbrücke, die seinerzeit zum Erzabbau in dieser Gegend errichtet wurde.  Die Piste führt bis zum Kennicott-River, wo wir auf dem Parkplatz mit Blick auf den Kennicott Gletscher übernachten. Sogar Oldtimer mit Anhänger haben diese Piste hier genommen, was wirklich ein ungewohnter Anblick ist. Von hier geht es über eine Brücke nur noch zu Fuss oder mit dem Zweirad weiter bis nach McCarthy. McCarthy ist ein Western-Nostalgie-Traum pur! Aber alles ist echt und wurde vor langer Zeit errichtet, um die in den Minen arbeitenden Männer mit Alkohol, Lebensmittel und auch weiblicher Gesellschaft gegen Bezahlung zu versorgen. Die Häuser hier sind von echten Individualisten bewohnt, die nur in den wenigen Sommerwochen von den Besuchen der Touristen gestört werden, aber dadurch auch ihren Lebensunterhalt bestreiten. 

Wrangell - St. Elias (Kennicott - Root Glacier)

Am nächsten Morgen fahren wir den 10 km langen Weg vom Fluss bis zur Kennicott-Minenstadt mit unserer Honda. Kennicott ist wunderschön anzuschauen, alle Gebäude sind aus roten Holzbrettern erbaut. Man kann die Räume bestaunen, in denen das Kraftwerk der Minenstadt noch erhalten ist. Ebenso gibt es einen kostenlosen Film über die Geschichte der Kupfermine im einstigen Lebensmittel-Laden der Stadt anzuschauen. Hinter der Minenstadt führt ein schmaler Wanderpfad noch 6,5 Kilometer weiter bis zum riesigen Root-Glacier. Wir wandern bei sehr warmem Wetter auf diesem Pfad, ständig mit Klatschen und Rufen beschäftigt um die Bären auf uns aufmerksam zu machen und abzuschrecken.  Hier wird man ständig mit Tafeln auf die vielen hier lebenden Bären aufmerksam gemacht und da wir bereits schon sehr viele gesehen haben, nehmen wir das auch angemessen ernst. Neben dem Pfad kann man eine geröllbedeckte Hügellandschaft sehen, die man erst bei genauerem Hinsehen als Gletscher-Eis erkennt. Die 50 bis 100 Meter dicken Eismassen sind mit Staub und Geröll bedeckt, knacken aber ständig, wenn ein Riss im Eis entsteht. Am blauschimmernden Gletscher angekommen, erklimmen wir diesen ohne Steigeisen und ohne Führer und wandern noch auf dem Eis für eine weitere Stunde umher. Dann machen wir uns aber auf den Rückweg, denn die noch vor uns liegenden vielen Kilometer zurück bis zur Honda müssen ja auch noch bewältigt werden. Der Root-Gletscher ist gigantisch groß und eindrucksvoll. Am Abend treffen wir wieder auf Stacey und Joe und sehen die dunklen Gewitterwolken in der Ferne aufziehen. In der Nacht bleibt es trocken und am nächsten Morgen erfahren wir, dass im weiteren Verlauf der Piste eine Schlammlawine den Weg unpassierbar gemacht hat. Wir erreichen die Stelle und sehen schnell, dass auch wir mit unseren Allradfahrzeugen hier nicht durchkommen. Ein Pickup steckt bereits im Geröll fest und muss erst einmal von einem uralten Dodge Power-Wagon mit Hund auf der Ladefläche herausgezogen werden (Michaels neuer Traumwagen). Nach dreistündiger Wartezeit kommt der Bautrupp mit dem Radlader und es vergehen noch einmal 45 min. bis Geröll und Schlamm soweit beiseitegeschoben sind, dass wir zuerst passieren können.

Valdez

Direkt neben dem Highway liegt der Worthington Glacier, der in 15 Minuten einfach zu Fuss zu erreichen ist. Dort treffen wir auf eine Gruppe Frauen und Männer der Amish Gemeinde aus Pennsylvania die gerade Verwandtschaft in Fairbanks besucht.

Regnerisches Wetter begleitet uns bis nach Valdez – dem nördlichsten eisfreien Hafen der USA in Alaska am Prince-William-Sound. Valdez ist Verladestation für das Öl aus der Trans-Alaska-Pipeline, das über 1.287 km von den Ölfeldern der Prudhoe-Bay bis hierher gepumpt wird. Traurige Berühmtheit erlangte die Region durch das große Tanker-Unglück der Exxon-Valdez im Jahr 1989. 

Als erstes besuchen wir die Solomon-Gulch-Hatchery (Lachszucht-Station), wo sich vor einem Wehr tausende Lachse tummeln. Die laichbereiten Lachse werden hier abgefangen, der Laich entnommen und über 2 Millionen Jungtiere aufgezogen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass eine ausreichend große Menge an Junglachsen wieder in die Freiheit des Meeres entlassen wird. Diese kehren später wieder an ihren Geburtsort zurück und sichern damit die Existenz der lokalen Fischindustrie und des wichtigen Angeltourismus. Alaskas Fischerei-Management gilt als vorbildlich für nachhaltige Wildlachs-Fangmethoden.

Der Tummelplatz der Lachse lockt aber auch andere Liebhaber dieser Fische an. Neben Anglern kommen auch noch die Seelöwen, Möwen und natürlich auch die Bären mit ihrem Nachwuchs, um sich an diesem Fischreichtum zu laben. Das Wetter bessert sich deutlich und wir genießen den Ausblick auf die umliegenden, schneebedeckten Berge, den idyllischen Yachthafen und das Treiben der Hochsee-Angler, die ihren Fang vor Aller Augen präsentieren und vor Ort filetieren lassen. Während der gesamten Saison werden Wochen- und Saisonsieger für die größten Fänge namentlich auf einer Tafel gewürdigt. 

Columbia Glacier

Heute Morgen scheint entgegen der Wetterprognose die Sonne und der Himmel ist blau. Wir rufen spontan um 9.15 bei der Lu-Lu-Belle Glacier Tour an und fragen, ob wir noch an der heutigen Tour teilnehmen können. Wenn wir in einer halben Stunde am Hafen sind, klappt das noch, erfahren wir. Also ist Eile angesagt. Das schöne Boot liegt bereits im Hafen und der Kapitän kommt auch gerade, als wir am Boot ankommen. Bereits während der Fahrt aus dem Hafen heraus in den offenen Fjord kann man die Schönheit der Lage dieser Stadt sehen. Umgeben von hohen noch mit Restschnee bedeckten Bergen fahren wir in den großen Prinz-William-Sound. Die Fahrt ist einfach nur fantastisch!  Wir sehen grandiose Natur und kommen nach kurzer Zeit an einer Gruppe Otter vorbei, die im Wasser auf dem Rücken liegend und sich mit leichten Wippbewegungen des Schwanzes durchs Wasser schaukeln. Dabei sehen die so hübsch und putzig aus. Der Kapitän stoppt das Schiff und lässt uns die Tiere eine ganze Weile aus nächster Nähe beobachten. Nach einer Weile geht es weiter und weiter durch den riesigen Sound. Nach einiger Zeit steuert der Kapitän ganz nah an eine mit Regenwald bewachsene Felsgruppe heran auf deren steinigem Ufer hunderte, wenn nicht tausende von Seelöwen sitzen, liegen oder davor im Wasser herumschwimmen.  Eine ganze Menge der Tiere finden uns wohl sehr interessant, denn sie schwimmen zu uns, unter dem Boot hindurch und vollführen aufmerksamkeitswirksame Schwimmkunststücke. Sie kommen ganz nah, schauen soweit sie können aus dem Wasser heraus und gucken einem auch direkt in die Augen. Ich bin von diesen Tieren total verzaubert. Die wirken hier jetzt ganz anders auf mich, als damals an der kalifornischen Küste, wo die nur faul und langweilig am Strand herumgelegen haben. 

 

Weiter geht es in Richtung des größten Gletschers in dieser Gegend, dem Columbia Glacier. Alaska ist mit tausenden von Gletschern eine der gletscherreichsten Gegenden der Welt. Wir bekommen plötzlich einen Buckelwal zu sehen, der aus dem Meer an die Oberfläche gleitet. Der Kapitän stoppt das Schiff und wir warten, bis er das nächste Mal zum Luftholen nach oben kommt. Gemäß der Aussage des Kapitäns dauert dies ziemlich genau 8 Minuten.... Und tatsächlich... Wir sehen den sehr großen Wal direkt vor uns und beim Abtauchen zeigt er uns seine schöne Schwanzflosse, die in der Sonne glitzert. Beeindruckend! Links von uns sehen wir einen großen Gletscher bläulich leuchten, auf dem Wasser schwimmen die kleinen, mittelgroßen und großen Eisschollen, die sich von den Gletschern abgelöst haben. Aber der Hammer kommt erst noch, rechts zwischen schwimmenden Eisschollen zeigt sich der Columbia-Glacier in seiner unglaublichen Schönheit. Die Abbruchkante leuchtet in den verschiedensten Türkis- und Blautönen. Wir fahren vorsichtig durch die vielen Eisschollen im Wasser bis ganz nah an den Gletscher und bleiben hier für ca. eine Stunde stehen. Der Gletscher knarzt und kracht als plötzlich ein sehr großes Stück mit viel Getöse abbricht und ins Meer stürzt. Wir sehen zum ersten Mal, wie ein Gletscher kalbt. Gänsehaut.... Leider versagt Michael mit dem Filmen dieser Szene... Mein Handy hat sich bereits vor Stunden verabschiedet und so haben wir dieses Naturschauspiel leider nicht konserviert.

 

Inzwischen sind wir schon fast 8 Stunden unterwegs und während dieser gesamten Zeit hat uns der sehr urige und witzige Kapitän fast pausenlos mit seinem Wissen, aber auch mit unzähligen Anekdoten über die Bordlautsprecher unterhalten.

Wir können nur sehr langsam zurückfahren, da hier plötzlich fast keine Stelle mehr ohne die schwimmenden kleinen Eisberge existiert. Erst nach langer Zeit kann das Boot wieder Fahrt aufnehmen und am Abend kommen wir erschöpft aber glücklich nach einer wunderschönen Tour wieder im Hafen an. 

Anchorage

Anchorage gefällt uns sofort. Die Stadt hat eine positive und angenehme Atmosphäre. Downtown ist mit unzähligen buntblühenden Blumenampeln, Blumeninseln und dem bisher schönsten Visitor-Center ausgestattet. Auf der Hauptstraße flanieren die Leute oder sie sitzen auf dem Rasen und Bänken beim Eis essen oder Picknicken. Es gibt viele Läden, Cafés und sogar ein paar Biergärten. Wir radeln auf dem Coastal-Trail entlang der Küste durch riesige Grünanlagen, naturbelassenen Stadtwald und vorbei an schön angelegten Teichen. Inmitten der modernen Stadt laufen Elche und sogar Bären frei herum. Immer wieder glaubt man, mitten in der Wildnis zu sein und ist doch jederzeit schnell wieder in der trubeligen Altstadt, wenn man möchte. Für den anstehenden Ölwechsel an unserem MAN suchen wir die örtliche Cummins-Vertretung auf (großer, amerikanischer Dieselmotoren-Hersteller). Vor Beginn der Arbeiten wünscht sich die männliche Belegschaft eine Besichtigungstour durch den MAN. Die Begeisterung ist natürlich groß! Noch während der Mitarbeiter mit den Arbeiten beschäftigt ist, kommt der Niederlassungsleiter zu uns um uns mitzuteilen, dass er und seine Mitarbeiter so viel Spaß mit unserem Auto hatten, dass uns der eigentlich fällige Betrag von über 100,- $ erlassen wird. Anschließend bekommen wir sogar noch einen freundlichen Kommentar auf unsere Webseite. Wir besuchen noch einen Markt mit vielen Essen-Ständen und reichlich Ständen mit Kunsthandwerk wie Fotografie, Holzschnitzereien und indianischem Schmuck. Begleitet wird das Ganze von abwechselnden musikalischen Darbietungen auf einer kleinen Bühne. Wir sind von Anchorage sehr angetan und verstehen, dass hier so viele junge Leute und vor allen Dingen junge Familien mit Kindern leben. Das für uns perfekte Haus finden wir auch und unterhalten uns mit dem Bewohner für eine Weile. 

Alaska Wildlife Conservation Center

Wir verlassen Anchorage in Richtung Süden. Unsere erste Station ist das Alaska Wildlife Conservation Center, welches uns von Stacey und Joe dringlichst empfohlen wurde. Dort können wir auf unserem Rundgang zahlreiche Tiere beobachten: Moschusochsen, Raben, Caribous, ein bei einem Unfall verletztes 3-beiniges Stachelschwein, Elche mit Jungen, Bisons, einen Grizzly-Bär von gewaltiger Körpergröße mit Namen J.B., Zwerg-Rehe und vor allen Dingen meine geliebten Wölfe. Wir beobachten die vier sehr verschiedenen Wölfe für lange Zeit beim Schlafen, Spielen, und Schmusen.

Whittier - Seward

Whittier kann man nur über einen eingleisigen Tunnel erreichen, dessen Fahrspur abwechselnd von Kraftfahrzeugen und Zügen genutzt wird. Genau aus diesem Grund wollen wir dorthin, obwohl an diesem Tag ein absolutes Mistwetter herrscht. Es schüttet und ausserdem gibt es auch noch starken Nebel. Der Blick auf die umliegenden Gletscher bleibt uns aus diesem Grund leider verwehrt, aber wir lassen uns davon nicht abschrecken und durchwandern den winzig kleinen Ort. Es gibt hier einen großen und hässlichen Wohnkomplex in dem die Mehrheit der Anwohner von Whittier wohnen. Der Ort verfügt über einen sehr schönen und auch großen Yachthafen, den sogar die großen Kreuzfahrtschiffe ansteuern. Es gibt auch einige sehr urige und schöne Souvenirgeschäfte und Restaurants in Blockhaus-Bauweise.

Als nächster besonderer Ort steht Seward auf unserer Liste. In Seward ist wie überall in Alaska das Angeln die Hauptattraktion und der wirklich schöne Yachthafen hat eine fantastisch maritime Ausstrahlung. Die Fische werden auch hier direkt am Hafen verarbeitet, was immer bewundernde Besucher anzieht, die das Treiben beobachten. So auch wir! Ich muss dabei natürlich immer an meinen Sohn Philipp denken, für den ja Angeln auch die wichtigste und schönste Nebensache der Welt ist.

Wir kommen an einem von aussen nicht besonders attraktiven aber rappelvollen Restaurant vorbei und gehen dort wieder einmal hervorragend Essen.  Zudem haben wir auch noch sehr angeregte und nette Unterhaltungen mit den beiden amerikanischen Ehepaaren, an deren Tisch wir in dem vollen Lokal noch einen Platz finden. Bisher haben wir in den USA mit dem gelegentlichen Essen in Restaurants sehr gute Erfahrungen gemacht.

Bevor es in Richtung Fairbanks weitergeht, fahren wir noch zu einer Wanderung an den Exit Glacier.

Kurz vor Fairbanks erreichen wir noch ein großes Vogelschutzgebiet inmitten des schönen Marschlandes, wo man viele Kilometer auf Holzstegen über das Wasser spazieren kann. Wir sehen einige Vögel. Der Weißkopf-Seeadler ist leider für unser Zoom-Objektiv zu weit entfernt, aber wir genießen die schöne Abendstimmung. 

Hatcher Pass - Denali NP - Fairbanks

Von Anchorage Richtung Norden nehmen wir die landschaftlich schöne Strecke über den Hatcher-Pass. Hier finden wir neben der guten Piste wieder einmal einen gemütlichen Übernachtungsplatz am Flussufer.
Auf dem weiteren Weg in Richtung Denali passieren wir eine hohe Brücke über einen breiten Fluss mit breiten Ufern. Kaum über die Brücke gefahren, klingelt unser Telefon und Klaus Kapraun ist dran. Er sitzt mit seiner Frau Irmgard an den sonnigen Ufern des eben überfahrenen Flusses und hat uns zufällig gerade über die Brücke fahren sehen. Wir kehren um und bleiben für den Nachmittag und die Nacht. Wir erzählen uns von unseren Reiseerfahrungen, Michael und Klaus reparieren zusammen unsere defekte Batteriekastenbefestigung und nach dem gemeinsamen Abendessen sitzen wir noch bis zu den frühen Morgenstunden am Campfire. Nach einigen Stunden Schlaf brechen wir Richtung Norden auf. Wir sehen von weitem den Denali, den höchsten Berg Nordamerikas noch bei klarem Himmel. Bis wir den Park erreichen, hat er sich allerdings wie so oft in eine Wolkendecke gehüllt. Es ist grau und regnerisch und so verzichten wir auf die Bustour durch den Park, der für private Fahrzeuge gesperrt ist. In Fairbanks übernachten wir wieder einmal auf dem Walmart-Parkplatz wo wir neben uns wieder einmal die Vielfalt der amerikanischen Trailer begutachten können. Hier sehen wir ein Exemplar mit dekorativen „Kirchenfenstern¨. Na ja, Schönheit liegt ja bekanntermassen immer im Auge des Betrachters. 

Dalton Highway (Deadhorse / Prudhoe Bay)

Von Fairbanks soll es nun über den Dalton Highway zum nördlichsten Ort in Amerika nach Deadhorse an der Prudhoe Bay gehen. Vielerlei Warnungen haben wir bereits über die berüchtigte Piste gehört und sind sehr gespannt auf diese ¨gefährliche¨ Schotterstrecke. Sie sei schmal, abschüssig und die pausenlos hier fahrenden Schwerlaster würden mit rücksichtsloser Geschwindigkeit am Gegenverkehr vorbeibrettern.... So sagte man, so kann man es lesen. Die 800 km lange Piste wurde ausschließlich zur Versorgung des großen Ölfelds in der Prudhoe-Bay angelegt und führt immer direkt neben der Trans-Alaska-Pipeline entlang.

 

Wir fahren durch die unendlich scheinende Landschaft nahezu ohne jegliche menschliche Ansiedlungen. Es gibt nur eine Tankstelle auf halber Strecke mit minimaler Versorgungsmöglichkeit. Die Strasse ist auf dem ersten Teilstück geteert und durch Frostschäden in ziemlich schlechtem, welligem Zustand. Wir überqueren den Yukon-River und erreichen den Arctic Circle. Nördlich dieses Breitengrades geht die Sonne am 21.6. nicht unter. Selbst jetzt im Juli bemerken wir fast keine Tageszeiten und wundern uns, wenn es nachts um 24:00 Uhr immer noch sonnig und hell ist. Die Taiga-Landschaft ist zunächst hügelig und bewaldet mit Sitka Spruce, einer schmalen und dunkelgrünen Nadelbaumart. Später überqueren wir die Brooks-Range mit dem 1.422 m hohen Atigun-Pass. Bald wird die Landschaft flacher, der Bewuchs lässt nach, bis nur noch grüner Bodendecker vorhanden ist. Wir sind in der Tundra. Die einzigen Erhebungen in dieser platten Landschaft sind Frostaufbrüche, die wie kleine Vulkane aussehen. Die Piste wird regelmässig mit einer Wasser-/Chloridsalz-Mischung besprengt, damit sich der Belag verfestigt und nicht so staubt. Unser MAN ist vollständig schmutzverkrustet, der Unterboden hat zentimeterdicke Knubbel an jedem Metallteil. Entgegen aller Aussagen ist die Piste hier aber fantastisch und mit 80 - 90 km/h komfortabel zu befahren. Entgegenkommende LKW-Fahrer bremsen jedes Mal stark ab und winken auch freundlich. Es ist wie so oft einfach Panikmache und nicht nachvollziehbar. Wir bringen aus diesem Grund unser eigens für diese Piste gefertigtes Frontscheiben-Schutzgitter gar nicht erst an und es passiert - NICHTS!

 

Nach 3-tägiger Fahrt durch völlig menschenleere Landschaften erreichen wir Deadhorse, die Containerstadt an der Prudhoe Bay, die ausschließlich für die hier arbeitenden Menschen entstanden ist. Wir sehen die riesigen mobilen Bohrtürme und umfangreiche Lagerplätze mit schwerem technischen Gerät. Vom Container-Hotel, eine Übernachtung kostet hier schlappe 200 $ US, fährt der Tour-Bus in das Sperrgebiet des Ölfeldes bis zum Meeresufer. Dort angekommen besteht für die Fahrgäste die Gelegenheit im eiskalten Arktischen Ozean zu schwimmen, die Handtücher werden gestellt. Michael und ein paar Motorradfahrer aus Brasilien lassen sich nicht feiern und machen es tatsächlich unter viel Jubelrufen und Geklatsche. Dafür gibt es hinterher eine Urkunde. Zum Abschluss geht es noch zum „National Forest“ des Ortes  (Humor muss man hier am Ende der Zivilisation haben, wenn man dieses harte Leben bei den extremen Wetterbedingungen aushalten will).  

Dalton Highway (nach Süden)

Damit haben wir am 27.7.2017 den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Auch in dieser Nacht bleibt es vollständig hell, die Sonne geht einfach nicht unter. Wie immer haben wir ruhig geschlafen und treten am Morgen die Rückfahrt an. Wir haben großes Glück mit dem Wetter, wir haben Elche, Bisons, Füchse, Caribou und jede Menge Squirrels (Hörnchen) gesehen. Wir besuchen noch die einzige Ansiedlung der Strecke, die Goldgräber-Siedlung Wiseman. Eine liebevoll gepflegte Ansammlung von nostalgischen Holzhäusern und Gerätschaften aus der Zeit des Goldrush. Kurz vor Fairbanks kündigt eine große Briefkastenanlage die Rückkehr in bewohnte Gegend an und wir freuen uns, bald wieder in der Zivilisation anzukommen. 

Yukon

Canada (YK, BC, NWT, AL)

Sprache / Language / Idioma

letztes Update:

08.10.2017

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