Washington - zweiter Teil

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Reiseroute durch den nördlichenTeil Washingtons gemeinsam mit Phil und Dave Ende Mai 2017.

 

1.393 km

 

9 Tage

Olympic National Park - Hoh Rain Forest

Auf unserem Weg zum Olympic Nationalpark/Washington übernachten wir auf einem ruhigen Wiesen-Campground und erleben ein grausiges Naturereignis. Den ganzen Abend beobachten wir auf der Wiese eine Singvogel-Mutter, die ihre noch nicht vollständig flugfähigen Jungen durch Zuruf zu Flugversuchen veranlassen will. Die Kleinen haben noch etwas fusselige Federn am Kopf und scheinen nicht willens zu sein, die Flügel zu benutzen. Plötzlich kommt eine große, schwarze Krähe direkt neben unserem Sitzplatz herabgeschossen und schnappt sich einen der hilflosen, kleinen Vogelkinder. Das Gezeter und Geschrei der Mutter hilft nichts, das Junge ist verloren.

Am nächsten Morgen im Olympic NP angekommen, halten wir zuerst am Hoh-Rainforest für eine Wanderung durch den Regenwald. Es ist heiß heute und die flechtenbewachsenen Bäume, das glasklare Wasser, welches in verschlungenen Wegen durch den Wald fliesst, die naturbelassenen Bäume mit gigantischen und verschlungen wachsenden Wurzeln, die riesigen Bäume mit begehbaren Hohlräumen wollen gar nicht recht zu diesem Hochsommer-Wetter passen. 

Olympic National Park - Ruby Beach

Zweite Anlaufstelle im Olympic NP ist Ruby-Beach. Dieser Strand lässt uns alle vier Staunen. Ein endloser und weiter Strand mit tausenden von angeschwemmten Baumstämmen, weißem Sand und vielen kleinen, teilweise bewaldeten Inseln ist von wirklich atemberaubender Schönheit. Es herrscht gerade Ebbe, und so können wir bis zu den Inseln gehen und die daran festsitzenden Miesmuschelbänke, die uns aus Galicien bekannten Entenmuscheln (im spanischen Percebes genannt), verschiedenfarbige Seesterne und See-Anemonen in allen möglichen Grün- und Lilatönen bestaunen. Diese Anemonen ziehen sich bei zartester Berührung mit dem Finger blitzschnell zusammen. Dazwischen gibt es einzelne orange Schneckenhäuser zwischen unzähligen schwarzen, als wunderschönen Farbtupfer zu sehen. Wir bleiben hier für Stunden und genießen diese geballte Natur des Pacific. 

Quinault Lake

Campgrounds in USA sind wirklich so anders als in Europa gewohnt. An den traumhaftesten Stellen in der Natur und am Wasser gibt es nicht etwa Hotels und irgendwo in 2 oder 3. Reihe dann einmal einen Campingplatz. Nein, an den paradiesischen Stellen gibt es Campgrounds und sonst nichts. Jeder Platz mit riesigem Abstand zum Nachbarn, meistens kann man den nur erahnen. Hier am Lake Quinault haben wir einen Platz im tiefen Nadelwand direkt am See. Es gibt einen geraden Stellplatz für den MAN, jeweils einen geebneten Platz für ein Zelt sowie Tisch und Sitzbänke und natürlich eine Feuerstelle. Besser kann es nicht sein! Nach einem ausgiebigen Frühstück zu viert (in diesem Falle deftigste Frikadellen-Burger) geht es mit Kajak, Angeln und was man halt so braucht, mit unserer Transport-Honda zur Anlegestelle am Wasser. Die Jungs sind die nächsten Stunden auf dem See in einer Traumkulisse mit dem Kajak und der Angel unterwegs. Später gehen Michael und ich auch noch einmal für eine Stunde paddeln - leider beginnt der See recht große Wellen zu schlagen und so kehren wir nach zweimaligem Wellenüberschwappen und mit nassen Hintern um. Abends chillen wir im ursprünglichen Wald wieder mit Hawaii-Bier und selbstgefangenem Heilbutt in Bacon. Unser strikter Fischverächter David hat hier und heute sein Coming-Out! Er isst zum ersten Mal Fisch und es schmeckt ihm. Danach lassen wir diesen schönen Tag beim Sonnenuntergang auf dem Steg ausklingen.

Seattle

Seattle war für Philipp und David ein Must-See und wir beide waren bei der ersten Durchfahrt auf dem Weg nach Vancouver und kurzem Blick auf die Stadt auch schon sehr angetan. Seattle gilt ja als die innovativste Stadt und durch die sehr junge Bevölkerung auch als eine der lebenswertesten Städte der USA. Viele der erfolgreichsten Start-Up-Unternehmen der Welt haben hier ihren Anfang genommen. Zuerst fahren wir zur Waterfront und parken sogar direkt unter der hochgelegenen Autobahn. Hier gibt es für jede Fahrtrichtung eine eigene Ebene. Wir schlendern an den Piers und Miners Landing entlang und genießen die wirklich tolle Atmosphäre dieser Stadt. Der Pike Place Market sieht sehr vielversprechend aus, ist aber für heute bereits geschlossen.

Später kommen wir durch Zufall am Starbucks Flagship Store mit Rösterei vorbei und betreten die einladenden Räume. Ich habe in meinem Leben noch niemals einen Kaffee von Starbucks getrunken, aber hier in dieses Café würde ich jeden Tag einkehren, wäre ich hier ansässig. Geschmackvollste und hochwertigste, edle Einrichtung, mehrere Bedientheken mit unzähligen Espresso-Maschinen, Baristas mit zeremoniell handgebrühten Kostbarkeiten, die riesige Rösterei mit Vorführpersonal die alles zum Vorgang erklären, verschiedene Sitznischen machen diesen Caféhausbesuch zu einem Erlebnis. Wir entscheiden uns für einen Capucchino mit frisch gerösteten Bohnen aus Costa Rica in formschönen schwarzen Tassen - ich war begeistert. Der Kaffee schmeckte fantastisch... Das hätte ich niemals geglaubt und wurde hier eines Besseren belehrt. Bei eingebrochener Dunkelheit schlendern wir durch die Straßen von Seattle und freuen uns an der schönen Neon-Reklame, die es bei uns leider fast gar nicht gibt. Zurück zur Waterfront by night mit dem Vorsatz: Wir kommen morgen wieder - die Stadt ist wirklich der Hammer!

Am nächsten Morgen finden wir sofort wieder einen Parkplatz an der gleichen Stelle und marschieren zielstrebig zum Pike Place Market. Komplette Begeisterung. Einen derart fantastischen Markt mit Fischständen, Obstständen, Kunstgewerbe, Musik-Künstlern, Blumenständen haben wir niemals in den USA erwartet. Er kann es sogar locker mit dem für uns bisher besten Markt in Barcelona La Boqueria aufnehmen. Am Fischstand wird der jeweils von einem Kunden gekaufte Fisch showmäßig und unter dem Beifall des fotografierenden Publikums, vom Verkäufer in hohem Bogen über die Theke zum Filetierer geworfen.

Es gibt derart viele Leckereien zu riechen und zu probieren, von der Thüringer Bratwurst mit Kraut über Beef Brisket, Tortillas und Tacos, und, und, und. Wir bleiben lange bei einem Pianospieler stehen, der in völliger Ekstase sein begnadetes Pianospiel zum Besten gibt. Allein wegen dieses Marktes wäre Seattle meine Stadt.

Wenatchee River - Leavenworth - Lincoln State Park

Jetzt geht es in Richtung der Cascade-Mountains nach Twisp, um Heike zu besuchen. Wir haben sie auf der Baja kennengelernt und mögen uns gegenseitig sehr. Es geht über den Stevens Pass nach oben. Hier liegt noch immer richtig viel Schnee. Wir fahren durch grandiose Landschaft entlang des Wenatchee-Rivers. Wildschäumende Wassermassen rasen mit Getöse durch das Flussbett. Wir sehen völlig verrückte Rafter, die sich todesmutig mit speziellen Rafting-Booten mit Überschlagbügeln in diese Wasserhölle wagen. Wir können beobachten, wie sich einer der Rafter überschlägt und in Seitenlage im schäumenden Wasser treibt. Mit großer Kraftanstrengung kann er das Boot wieder kippen.

 

Weiter durch die Natur, bis wir plötzlich unseren Augen nicht trauen. Wir fahren an einem völlig bayrischen Dort mit allem Drum und Dran vorbei. Das müssen wir sehen. Leavenworth bietet komplett autenthische Häuser mit allen typischen Details wie Biergärten, Fachwerk, Nussknackermuseum und vieles mehr. Es gibt Rippchen, Rouladen und Bratwurst in den Restaurants. Philipp und David finden das hier total blöd und so fahren wir nach einer kurzen Begehung weiter Richtung Twisp. Später campen wir im schönen Lincoln-Rock-State Park. Unser Platz ist an einer baumbestandenen Wiese auf der wir auch das Zelt aufbauen. Während wir fröhlich vor dem MAN sitzen, macht es plötzlich Zisch! Aus dem Boden tauchen praktisch aus dem Nichts die Wasserdüsen der Sprinkleranlage auf und besprühen mit heftigen Fontänen unseren Sitzplatz sowie auch unser Zelt. Zum Glück ist es sehr warm heute. Philipp holt heute auch noch einen riesigen Steelhead-Fisch aus dem Wasser. Er strahlt vor Glück, denn das ist eine Besonderheit für unseren passionierten Angler.

Da diese Fische aber unter Schutz stehen, setzt er ihn nach gebührenden Fotos wieder vorsichtig in das Wasser, wo dieser unbeschadet davonschwimmt.

Twisp - Winthrop

In Twisp erwartet uns Heike und fährt mit ihrem Auto vor uns her zu Ihrem Haus. Das hätten wir im Leben nicht gefunden. Es liegt auf einem Berg, welchen man nur mit Allrad-Fahrzeug befahren kann und bietet nach allen Seiten traumhafte Ausblicke auf Berge und in das Tal. Hier oben gibt es reichlich Klapperschlangen und am Abend bekommen wir sie auch zu Gesicht. Es schwirren die Kolibris, es gibt hier Bären und Kojoten, also das volle Wildnis-Programm.

Am nächsten Morgen beginnen wir Michaels Geburtstag mit frischen Buttermilch-Blaubeer-Pfannkuchen mit Ahornsirup. Anschließend entscheiden wir uns für ein Schießtraining mit Heike. Nach ausgiebiger Einweisung in die Handhabung derart gefährlicher Waffen - wir trainieren mit 2 halbautomatischen Gewehren und einer Pistole - gehen wir hinters Haus um auf die aufgestellten Zielscheiben zu schießen.

Adrenalin pur! Es ist wirklich etwas anderes, eine derart tödliche Waffe selbst zu halten und auch abzufeuern.

Nachmittags führt uns Heike durch einen wunderschönen Wald, in welchem der gesamte Waldboden von blühenden Blumen wie Lupinen und einer gelbblühenden Sorte bedeckt ist. Wir alle hätten nie gedacht, dass der Staat Washington derart schön ist.

Am Abend werden wir alle von Philipp und David aus Anlass von Michaels Geburtstag zum örtlichen Mexikaner eingeladen. Zuvor laufen wir noch durch die Western-Stadt Winthrop, wo einzig die geparkten Autos die Illusion stören. Pferde wären hier wirklich passender.

Am nächsten Tag verabschieden wir uns schweren Herzens von Heike. Es war wirklich eine tolle Zeit bei Ihr und wir sehen uns auf jeden Fall wieder!

Washington Pass - Diablo Lake

Nochmals durch Winthrop geht es für uns vier auf dem Highway 20 durch die Cascade Mountains in einem riesigen Naturschutzgebiet, dass von hier bis weit nach Kanada hineinreicht. Wir fahren über den Washington Pass, wo wir bei knapp 30 Grad im Schnee unseren Spass haben. Später erreichen wir den unwirklich grünen und zauberhaften Diablo Lake. Auch hier wieder nur Natur und ein Campground mitten im Wald mit direktem Zugang zum See für unser Kajak. 

British Columbia erster Teil

British Columbia zweiter Teil

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letztes Update:

08.10.2017

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